Endgame Bachelor (1)

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Endgame Bachelor

Nach acht Semestern Regelstudienzeit ist es endlich soweit, das Studium neigt sich dem Ende zu. Diesen Sommer heißt es Endgame Bachelor. Die letzten ECTS sammele ich derzeit wie Panini Bilder, ich renne immer öfter ins Prüfungsamt oder Sekretariat um Scheine abzuholen oder abzugeben, und auch sonst ist das Studium gerade vor allem von Bürokratie geprägt. Das ist natürlich nicht immer so gewesen. Ich hatte meinen Spaß (ja wirklich!), bin aber auch ganz froh diesen Abschnitt erfolgreich zu beenden.
Endgame Bachelor ist eine Serie von Artikeln, die meine letzte Phase des Bachelorstudiums dokumentieren werden: die gefürchtete These.

Im Dezember 2014 habe ich eine Grundidee für meine These entwickelt, die auf die Geschehnisse im Sommer und Herbst in weiten Teilen der USA basiert. Die brutale Ermordung von Michael Brown, Eric Garner und Tamir Rice haben bei der afroamerikanischen Gemeinschaft eine Welle der Entrüstung, Solidarität, vor allem aber von Protesten gegen polizeiliche Übergriffe auf afroamerikanische Männer, Frauen, und Kinder, ausgelöst.

Die daraus resultierende Bewegung #blacklivesmatter kann als Fortführung der Bürgerrechtsbewegung der 1950er und 1960er gesehen werden, da sie auf Basis des traditionellen sozialen Aktivismus handelt und somit die politischen Aktivitäten sich relativ ähnlich sind. Was neu ist, ist die Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co., die bereits beim Occupy-Movement sowie während des arabischen Frühlings gezeigt haben, das politische Mobilisierung in Echtzeit geplant und durchgeführt werden kann—mit Erfolg. Aber auch das ungefilterte Dokumentieren von polizeilichen Übergriffen in Form von Videos, Fotos, und Tweets machen das Smartphone zur effektiven Waffe des gewaltfreien Widerstands.

Die Frage, die ich mir stelle ist noch nicht zu 100% definiert, könnte aber folgendes beinhalten:

Welche Rolle spielen soziale Netzwerke in der Mobilisierung von Demonstranten? Wie machen Polizeibehörden sich die z.T. öffentlichen Informationen zu Nutze um den Effekt zu dämpfen? Algorithmen und Überwachung von Zielpersonen ermöglichen Polizeibehörden und Geheimdiensten den Zugang zu privaten Informationen, inwieweit beeinflusst das die Arbeit der Organisatoren? Wie sieht die Organisation der Bewegung aus? Ist sie hierarchisch oder gibt es keine Ordnung? Gibt es neue Strategien die von der Tradition der nonviolent resistance und civil disobedience abweichen? Wie bereiten die Medien diese Bewegung in ihrer Berichterstattung auf? Und wie reagieren Studenten auf die kontinuierliche Polizeibrutalität?

Diese und viele weitere Fragen habe ich mir während meines USA-Aufenthaltes gestellt, die mich dazu bewegt haben es in Form einer Bachelor-These aufzugreifen. Da mit 30 Seiten nicht viel Platz ist um alles unterzubringen, geht es in den kommenden Wochen darum ein Grundgerüst zu bilden und dann werde ich weitersehen wie sich das entwickelt. Derzeit suche ich noch Literatur zur Social Movement Theory und lese mich dann nächste Woche ein.

Allgemeine Informationen zu #blacklivesmatter:
http://blacklivesmatter.com/ 

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