Den Bachelor of Arts in der Tasche – und nu? (1)

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Persönliches / Uni
Studium

Vor einigen Wochen durfte ich beim Prüfungsamt der Philosophischen Fakultät meine Urkunde abholen. Mir wurde der akademische Grad “Bachelor of Arts” verliehen. Völlig unspektuläres Prozedere an einem heißen Wochentag. Ganz und gar nicht so wie man das vielleicht in anderen Ländern kennt. Mich hat das nicht sonderlich gestört. Ein Fotoshooting um den Abschluss zu feiern ist sowieso in Planung. Vielleicht gehe ich zur Examensfeier im November(!) und lasse mich von mir fremden Menschen zelebrieren. Mit diesem (vermutlich) ellenlangen Text möchte ich auch gedanklich mein Studium im Studiengang “Interdisziplinäre Amerikastudien” abschließen und die letzten vier Jahre (*hust* und 7 Monate) reflektieren und euch ein paar Weisheiten mit auf den Weg geben.

Lebensplanung ist nie linear!

Success-Imagined-vs-Reality

Früher™ konnte ich mir genau zwei Berufsbilder für mich vorstellen: 1. Journalistin 2. Informatikerin. Ich ging zur Berufsberatung und laß wirklich sehr viel über die verschiedensten Berufe. Ich war glaube ich 15 oder 16 zu diesem Zeitpunkt. Ich besuchte das Wirtschaftsgymnasium, wo ein Jahr vor dem Abitur die Angst begann. Ein schreckliches Gefühl. Nach 13 Jahren Schullaufbahn entschied ich mich danach erstmal eine Pause einzulegen, auch weil ich am Ende nicht die Noten hatte, die ich gerne gehabt hätte noch waren sie aussagekräftig genug für das gewünschte Studienfach (damals: Medienwissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Medieninformatik). Es entscheidet einzig allein ein Stück Papier wie du Karriere machst. So dachte ich zumindest noch in 2008. Acht Jahre später sehe ich das anders, aber dazu später mehr.

Nach drei Wartesemestern und etlichen Absagen (10+) für ein Universitätstudium, begann ich ein Studium an der Fachhochschule Esslingen im Fach “Softwaretechnik und Medieninformatik.” Ein früherer Schulkamerad hat mich auf diesen Studiengang aufmerksam gemacht. Leider entsprach es nicht meinen Vorstellungen. Ich hatte nicht vor als Ingenieurin in der Automatisierung bei Daimler bis zur Rente zu arbeiten. Natürlich ist das eine nicht zeitgemäße Vorstellung gewesen, aber auch das fehlende Interesse in Mathematik und Physik erleichterten mir das Studieren nicht. Ich brach das Studium nach drei Semestern ab. Somit habe ich nach drei Jahren (Regelstudienzeit des Bachelorstudiums) wieder bei Null angefangen, während meine früheren Klassenkameraden ihren ersten Studienabschluss geschafft haben. Die erste depressive Episode begann. Ich wusste nicht weiter. Das war 2011.

Die Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Studienfächer war schon abgelaufen. Ich überlegte mir eine Ausbildung anzustreben oder wenn alle Stricke reißen sollte, eine Karriere bei einer bekannten Einzelhandelskette anzustreben. Die 5-Jahres-Marke hatte ich zu dem Zeitpunkt auch schon geknackt. Jedoch war auch das nicht was ich wollte. Das Berufsfeld IT war für mich nach Studienabbruch gestorben (heute sehe ich das anders). Aber ich besinnte mich auf mein eigentliches Ziel: “Irgendwas mit Medien” *augenroll* Dann erinnerte ich mich was eine Bekannte zu mir 2008 sagte: “Schreib dich doch einfach in Anglistik ein und schau wohin dich das führt!” Eine schnelle Suche per Suchmaschine ergab, dass das Fach zulassungsfrei in Tübingen sei und ich mich einfach bis zum 30. September einschreiben konnte. Ich glaube es war Mitte September als ich spätnachts die Einschreibeunterlagen ausfüllte. Mich für ein Nebenfach zu entscheiden war deutlich schwieriger, aber ich wählte Ethnologie. Ich schrieb mich also ein, begann das Studium der Anglistik/Amerikanistik und Ethnologie an der Uni Tübingen im Wintersemester 2011/12.

FH und Uni sind Welten. Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften sind noch weiter voneinander entfernt als die Institutionen selbst. Aber schnell merkte ich wie mir das geisteswissenschaftliche Studium lag. Nur das Ethnologiestudium gefiel mir nicht besonders und ließ sich nicht so gut mit dem Hauptfach vereinbaren. Ich schleifte es also für ein paar Semester hinter mir her. Bis ich von Kommilitonen von einem fachverwandten Studiengang zur Anglistik/Amerikanistik hörte: “Interdisziplinäre Amerikastudien (Interdisciplinary American Studies)”. Es fokussiert sich stärker auf amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften mit einem großzügigen Wahlbereich, der es ermöglicht Veranstaltungen anderer Fachbereiche oder Fakultäten zu besuchen und dafür Credit Points zu erhalten. Ich verglich die Modulbücher (weshalb ich mich damit auch so auskenne) und entschied mich für einen Fachwechsel. Ich konnte meinen bisherigen Scheine anrechnen und musste nur drei Veranstaltungen nachholen. All das schaffte ich in Regelstudienzeit von acht Semestern. Die zusätzlichen Semester erlaubten mir, einen Auslandsaufenthalt zu machen, der mich wohl stärker geprägt hatte als die Jahre zuvor. Das war toll und bestärkte mich die richtige Entscheidung gemacht zu haben. Jedoch hatte ich während des Schreibens der Bachelorarbeit im letzten Jahr wieder eine starke depressive Episode, die mich daran hinderte die Arbeit zeitnah fertig zu stellen. Mit viel Kraft und Unterstützung habe ich es erfolgreich geschafft.

TEIL 2: Was habe ich gelernt?

2 Comments

  1. Jessica says

    Wenn du immer noch nicht weißt was du machen willst, kannst du doch einen Master in American Literature machen. Du meintest doch, dass dir das Studium gefallen hat. Du könntest dich durch einen Job im Lehrstuhl finanziell über Wasser halten oder durch ein Stipendium. Solltest du doch Interesse an ein 9to5-Bürojob mit vielen Kunden- und Telefongesprächen haben, dann könntest du dich bei Hays bewerben. Das Team von meinem Freund hat eine freie Stelle. Er hat bei der Einstellung zwar nicht das letzte Wort, aber darf dabei mitreden.
    Liebe Grüße
    Jessy

  2. Pingback: Den Bachelor of Arts in der Tasche - und nu? (2) - Free The Yazz

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