Den Bachelor of Arts in der Tasche – und nu? (2)

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Persönliches / Uni
Studium

In Teil 1 habe ich euch erzählt, dass Bildungsbiografien nicht einem Schema F entsprechen müssen und man trotzdem erfolgreich einen Universitätsabschluss erhalten kann, wenn man am Ball bleibt und mit seinen Entscheidungen zufrieden ist. Aber jetzt mal zum Studium selbst:

Was habe ich gelernt?

Ein geisteswissenschaftliches Studium bereitet nur selten auf ein eng gestricktes Berufsbild vor, sondern dient zur Entwicklung und Förderung von analytischen und kritischen Denkmustern. Dementsprechend abstrakt fielen bisher meine Beschreibungen meines Studiums aus, zumindest dann wenn ich mit Personen darüber sprach, die sich mit universitären Strukturen nur wenig auskennen. Oftmals erzählte ich, dass ich Englisch studiere. Das ist nicht falsch, aber zu simpel um dem Studienfach gerecht zu werden. Manchmal erzählte ich, dass ich Amerikanistik studiere und beschrieb die Schwerpunkte des Faches in einfachen Worten. Jedoch musste ich mich eher dafür rechtfertigen was ich studiere als das ich überhaupt etwas studiere.

“Und was macht man damit?” Diese häufiggestellte Frage ging mir tatsächlich am meisten auf die Nerven. Das Amerikanistik-Studium kann durchaus auf verschiedene Berufsfelder vorbereiten, wenn man früh genug und vor allem bewusst Schwerpunkte setzt. Gerade Kompetenzen im Bereich “Kultur” habe ich in meiner Studienzeit entwickeln können, sodass ich mir durchaus vorstellen kann in diesem Bereich zu arbeiten.

Hier ein paar Kernpunkte, die ich aus meiner (bisherigen) Studienzeit habe mitnehmen können:

  • Bulimielernen ist ein Fremdwort für mich. Man muss Zusammenhänge erkennen, verstehen, kontextualisieren und wiedergeben können. Das heißt aber auch das ein gewisser Grundstock an Basiswissen des Fachgebietes (z.B. US-amerik. Literaturwissenschaft) vorhanden sein muss. Das gelernte Wissen plus Analysen werden in Form von Seminararbeiten oder mündlichen Prüfungen abgefragt. Klausuren gab es keine, was mir überhaupt nicht gefehlt hatte. Ich wünschte mir nur, dass Studienleistungen in Form von Referaten, Exposés, Portfolio u.ä. in die Notenvergabe mit einfließen würden. Prüfungsleistungen zeigen nur bedingt die Fähigkeiten des Studierenden auf.
  • Gruppenarbeiten sind nicht mein Fall. In der Praxis arbeite ich wirklich gerne in Teams und ich hatte meistens Glück mit meinen Kommilitonen, die ähnliche Arbeitsweisen oder sich gut ergänzt haben, ein Projekt zu erarbeiten. Dennoch bevorzuge ich das selbstständige Forschen, dass mir mehr Räume für Kreativität lässt, auch wenn die Wissenschaft nicht unbedingt für kreative Lösungsansätze bekannt ist.
  • Lehramtsstudierende haben ein völlig anderes Verständnis von ihrem Studium.
  • Die Qualität einer Lehrveranstaltung hängt nicht (nur) vom Dozierenden ab.

Ich habe auch erkannt, dass gerade Arbeiter- und Migrantenkindern wie mir eine Laufbahn an der Universität unheimlich erschwert wird. Allein die Navigation durch den Bürokratiedschungel ist überwältigend, verwirrend und abschreckend.Mich wundert es, dass ich einigermaßen gut durchgekommen bin ohne ernsthaft bleibende Schäden. Da werden potentielle Berufslaufbahnen (Promotion, Habilitation) schon während des Studiums zerstört. Dr. Nasrudin oder Prof. Dr. Nasrudin klingen zwar schön, aber ganz ehrlich? Das ist kein Muss in meinem Leben. Und das ist ok.

Ich habe auch gelernt, egoistischer zu sein. Mein Helfer-Syndrom ist noch sehr dominant und ich vergesse schnell meine eigenen Bedürfnisse. Ich möchte aktiver sein und laut auftreten, sodass man mich wahrnimmt. Das bereitet mir große Angst. Ich habe mich oft klein gehalten. Aber ich habe gemerkt, dass Introversion durchaus zu seinem Vorteil genutzt werden kann, um langfristig Erfolg zu haben. Ich hab das nur bedingt zu während meines Bachelorstudiums umgesetzt, habe aber gemerkt, dass es durchaus Früchte trägt Raum einzunehmen. Selbstbewusstsein ist nicht gleich Arroganz. Ich habe erkannt, dass ein großes Potenzial in mir steckt das auf seinen Einsatz wartet.

TEIL 3: Was würde ich anders machen? Wie geht es weiter?

 

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